Werden neue Technologien nicht nur den Reichen und Mächtigen zugute kommen? Und was soll mit den anderen geschehen?

Man kann sagen, dass der durchschnittliche Amerikaner heute einen höheren Lebensstandard hat als ein König vor fünfhundert Jahren. Der König mag eine Hofkapelle gehabt haben, aber heute kann sich jeder mp3-Musik streamen lassen und Computer und Mobiltelefone gehören zumindest in den (post-)industrialisierten Ländern zu den Alltagsgegenständen. Falls der König eine Lungenentzündung hatte, ist es gut möglich, dass er daran gestorben ist, wir aber können heute wirksame Medikamente nehmen. Der König mag eine Kutsche mit sechs weißen Pferden gehabt haben, aber heute gibt es Autos, die viel schneller und bequemer sind. Außerdem hat man das Fernsehen, einen Internetzugang, seinen Morgenkaffee, eine Dusche, man kann über Internet und (Mobil)telefon mit Verwandten auf anderen Kontinenten sprechen und man weiß mehr über die Erde, die Natur und das Weltall, als der König (und seine Hofberater, Astronomen und Wissenschaftler) jemals wissen konnten.

Eine typische Eigenschaft von neuen Technologien ist, dass sie mit der Zeit billiger werden. In der Medizin zum Beispiel sind neue Behandlungsmethoden normalerweise nur Versuchspersonen oder wohlhabenderen Leuten (Privatpatienten) zugänglich. Wenn diese Methoden zur Routine werden, sinken ihre Kosten und mehr Menschen können sie sich leisten. Selbst in den ärmsten Ländern haben Millionen von Menschen von Impfstoffen und Penicillin profitiert. Auch in der Computerindustrie sind die Preise der Rechner kontinuierlich gesunken.  Tablet-PCs und Smartphones kann man bereits für unter 100 Euro bekommen, während ein Mobiltelefon in den 1990ern noch ein Luxusartikel war.

Es ist klar, dass jedermann einen großen Nutzen aus besserer Technik ziehen kann. Zu Beginn jedoch werden diejenigen den größten Vorteil haben, die die Ressourcen, das Wissen und insbesondere den Willen haben, die Benutzung der neuen Werkzeuge zu lernen. Es ist zu vermuten, dass manche Technologien soziale Ungerechtigkeiten vergrößern werden. Wenn z.B. irgendeine Form der Intelligenzverstärkung verfügbar wird, mag sie zuerst so teuer sein, dass sie nur für die Reichsten erschwinglich ist. Das gleiche könnte passieren, wenn wir unsere Kinder gentechnisch optimieren könnten. Reiche Leute würden intelligenter werden und evtl. noch mehr Geld verdienen (wobei Intelligenz und Reichtum nicht immer korrelieren müssen). Dies ist aber überhaupt kein neues Phänomen: Reiche Menschen können ihren Kindern eine bessere Ausbildung zukommen lassen und Mittel wie die Informationstechnologie oder Kontakte zu wichtigen Personen nutzen, die den weniger Privilegierten nicht zugänglich sind.

Der Versuch, technologische Innovationen aus diesen Gründen zu verhindern, wäre verfehlt. Wenn eine Gesellschaft diese Ungleichheiten für inakzeptabel hält, wäre es klüger für diese Gesellschaft, die Umverteilung des Reichtums zu verstärken, zum Beispiel durch Steuern und das Angebot von freien Dienstleistungen (Bildungsgutscheine, Zugang zu Informationstechnologien in öffentlichen Bibliotheken, Medizintechnik, die durch die Sozialversicherung gedeckt werden usw.). Ökonomischer und technischer Fortschritt stellen kein Nullsummenspiel dar – das Endresultat ist positiv. Dieser Fortschritt kann dabei nicht die alte politische Frage lösen, zu welchem Grad es wünschenswert ist, das Einkommen umzuverteilen. Aber er kann den Kuchen, der verteilt werden soll, sehr viel größer machen.