Lebensverlängerung

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Jeden Tag sterben etwa 100.000 Menschen an den Folgen des Alterns – das sind zwei Drittel aller Todesfälle. Jede andere Ursache, die so viele Menschenleben fordert, würde als globale Katastrophe mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft werden. Altern, die damit verbundenen Leiden und der Tod werden dagegen von fast allen Menschen als unvermeidlich hingenommen, auch wenn der Traum vom ewigen Leben und der ewigen Jugend vermutlich so alt ist wie die Menschheit selber und sich in Mythen, Sagen und fast allen Religionen niedergeschlagen hat.

Inzwischen ist der Alterungsprozess der Gegenstand moderner biologischer und medizinischer Forschung, und es wird mehr und mehr klar, dass es keine „innere Uhr“ gibt, die irgendwann abläuft und eine feste Obergrenze der Lebenserwartung bedeutet. Nach modernem Verständnis kann man biologisches Altern als die Ansammlung von Schäden im Organismus beschreiben. Die meisten dieser Schäden werden von natürlichen Prozessen korrigiert, aber einige bleiben bestehen, sammeln sich über die Jahre an und führen schließlich zu Gebrechen und Tod.

Aber dieses Schicksal ist nicht mehr unausweichlich. So, wie Krankheiten, die noch vor hundert Jahren unheilbar schienen dank moderner Medizin heute oft einfach heilbar sind, scheint es mehr und mehr möglich, in der nahen Zukunft diese Schäden durch neue Therapien zu beheben, und so den Alterungsprozess zu verlangsamen oder gar aufzuhalten und rückgängig zu machen. Das Ziel hierbei ist, den gesunden Lebensabschnitt so lange wie möglich zu verlängern.

Wissenschaftler haben im Labor bereits massive Durchbrüche in der Lebensverlängerung mit einfachen Modellorganismen erreicht. Auch wenn diese Ergebnisse nicht einfach auf Menschen zu übertragen sein werden, geben sie doch Anlass zu Optimismus.

Es gibt verschiedene Ansätze zur Lebensverlängerung. Ein Ansatz beruht darauf, den Metabolismus so zu manipulieren, dass Schäden weniger häufig auftreten und/oder besser repariert werden. Ein vielversprechendes Experiment in diese Richtung ist die Kalorierestriktion. Eine Reduktion der Nahrungsaufnahme um 30%-50% führt bei vielen Modellorganismen wie dem Wurm C. Elegans, der Fruchtfliege Drosophila aber auch bei Säugetieren wie Mäusen, Ratten, Hunden und nichtmenschlichen Primaten zu einer signifikanten Verlängerung der Lebenserwartung, wobei der Effekt bei einfacheren Organismen oft stärker ausfallen. Ob ein ähnlicher Effekt auch bei Menschen zu beobachten ist, ist bisher nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Wissenschaftler versuchen den Mechanismus der durch Kalorienreduktion verurschten Lebensverlängerung zu ergründen, um diesen eventuell auf anderem Wege zu induzieren.

Eine andere Gruppe von Wissenschaftern konzentriert sich auf die Erforschung von Telomeren. Hierbei handelt es sich um die Enden der Chromosomen, die bei einer Zellteilung nicht vollständig reproduziert werden. Dadurch werden sie im Laufe des Lebens immer kürzer, was nach der Meinung einiger Wissenschaftler zum biologischen Altern führt. Sie versuchen, ein Enzym (die Telomerase) zu aktivieren, dass diese Verkürzung rückgängig macht, um so das Altern aufzuhalten.

Aubrey de Grey

Aubrey de Grey

Einen umfassenden Plan zur Behandlung des Alterns hat der britische Biogerontologe Aubrey de Grey Entwickelt. Für seine „Strategy for engineering negligible senescence“ (SENS, zu deutsch etwa Strategie zur Minimierung der Seneszens) hat er sieben molekulare Mechanismen identifiziert, über die sich im Laufe des Lebens Schäden im Körper akkumulieren. Unter der Annahme, dass es einfacher ist, diese Veränderungen rückgängig zu machen, als sie zu verhindern, sucht SENS nun nach Therapien, um diese Schäden  zu beheben. Die von de Grey gegründete SENS research Foundation arbeitet an diesem Ansatz und fördert entsprechende Forschungsprojekte.

Zur Weiterentwicklung dieser (und auch alternativer) Ansätze ist noch intensive Forschung nötig, aber angesichts der unzähligen Menschen, die von diesen Errungenschaften profitieren würden, wären diese Anstrengungen mehr als begründet.

Leider existiert in unserer Gesellschaft und auch unter Medizinern und Wissenschaftlern, die eigentlich an der Lösung dieses Problems arbeiten sollten Vorbehalte, was die radikale Lebensverlängerung angeht. Viele dieser Vorbehalte lassen sich durch die Tatsache zurückführen, dass bis vor kurzem eine solche Lebensverlängerung tatsächlich unmöglich war. Die Unabwendbarkeit des Todes führte dazu, dass die Menschen Ansichten entwickelt haben, die die Perspektive eines extrem verlängerten Lebens unattraktiv erscheinen lassen („Es ist die Kürze des Lebens, die es wertvoll macht.“, „Ein so langes Leben würde auf Dauer langweilig werden.“). Diese psychologische Barriere muss überwinden werden, damit dieses Wichtige Ziel erreicht werden kann.

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